Potenzial und Limitationen von Schulimpfprogrammen zur Steigerung der HPV-Impfquoten in Deutschland

Anja Takla & Ole Wichmann et al. · 2025-03-08

Zusammenfassung

Auch mehr als 15 Jahre nach der ersten Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen humane Papillomviren (HPV) sind die Impfquoten in Deutschland weiterhin niedrig. Als mögliche Maßnahme zur Steigerung der HPV-Impfquote in Deutschland wird häufig die flächendeckende Einführung von HPV-Schulimpfprogrammen gefordert, wie sie in anderen europäischen Ländern bestehen. Jedoch sollte jeder Implementation einer flächendeckenden Gesundheitsintervention eine Evidenzbewertung vorausgehen, die auch nationale Gegebenheiten berücksichtigt. In diesem Artikel wird ein Überblick über die bisher vorliegende Evidenz zum Effekt von Schulimpfprogrammen in Deutschland gegeben, die Ergebnisse werden eingeordnet. Entsprechende Evidenz ist bisher begrenzt und stammt aus 3 lokalen (Pilot‑)Programmen. Sie zeigt, dass etwa ein Drittel der Ungeimpften das Schulimpfangebot wahrnahm, zwei Drittel nahmen es nicht an. In keinem Programm in Deutschland wurden bislang Daten zu den Gründen für die Nichtannahme des Impfangebots erhoben, bzw. ob sich eine möglicherweise bestehende Skepsis auf den Impfort Schule oder die Impfung selbst bezieht. Darüber hinaus fehlen Aufwand- bzw. Kosten-Nutzen-Analysen von Schulimpfprogrammen, die für die Bewertung solcher in Deutschland neu zu etablierenden Strukturen wichtig wären. Auf Basis der bislang vorliegenden Evidenz erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die Einführung eines flächendeckenden Schulimpfangebots die HPV-Impfquoten in Deutschland in relevantem Maße steigern kann. Schulimpfprogramme könnten ggf. aber – ergänzend zu anderen Maßnahmen – für spezifische Zielgruppen bzw. in bestimmten umschriebenen Regionen Teil eines strukturierten Impfsystems sein, welches – im Gegensatz zum bestehenden Impfsystem – in Deutschland sicherstellen könnte, dass allen in der Zielgruppe aktiv ein HPV-Impfangebot gemacht wird.

Authors
Anja Takla, Nora Schmid-Küpke, Ole Wichmann