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Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz

Papers (3)

HPV-Impfung zur Prävention von Genitalwarzen und Krebsvorstufen – Evidenzlage und Bewertung

ZusammenfassungHumane Papillomviren (HPV) verursachen benigne und maligne Tumorerkrankungen. Bisher wurden mehr als 200 HPV-Typen entdeckt, von denen aktuell 12 als Hochrisiko für das Zervixkarzinom klassifiziert werden. HPV-Typen, die den Anogenitaltrakt befallen, werden sexuell übertragen. Seit 2006 sind prophylaktische HPV-Impfstoffe erhältlich. Die Impfung soll vor dem ersten sexuellen Kontakt erfolgen.HPV infizieren Epithelzellen und sind die häufigsten sexuell übertragenen Viren weltweit. Neben dem Zervixkarzinom verursachen HPV auch andere anogenitale Tumore, wie Vulva‑, Vagina- und Analkarzinom, aber auch Oropharynxkarzinome. Vor allem die Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18 werden hier gefunden. Des Weiteren sind die HPV-Typen 6 und 11 ursächlich für die Entstehung von genitalen Warzen. Aber auch harmlose Hautwarzen werden von HPV verursacht.HPV-Impfstoffe sind sicher und hochwirksam, wenn vor der Impfung noch keine HPV-Infektion vorliegt. Systematische Reviews und Metaanalysen haben gezeigt, dass die HPV-Impfung eine HPV-Infektion, aber auch präkanzeröse Läsionen im Anogenitaltrakt und Genitalwarzen wirksam verhindert. Mittlerweile liegen erste direkte Hinweise vor, dass die HPV-Impfung die Inzidenz des Zervixkarzinoms reduziert.Die Impfquoten variieren weltweit je nach Impfprogramm und Akzeptanz des HPV-Impfstoffs in der Bevölkerung. Deutschland hat im Vergleich zu anderen europäischen Ländern niedrige Impfquoten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die HPV-Impfung in Deutschland für alle Mädchen und Jungen im Alter von 9 bis 14 Jahren. Im Jahr 2018 waren nur die Hälfte aller 18-jährigen Mädchen in Deutschland vollständig gegen HPV geimpft.Organisierte Impfprogramme, bevölkerungsbezogen oder schulbasiert, sind notwendig, um hohe Impfquoten zu erreichen.

Potenzial und Limitationen von Schulimpfprogrammen zur Steigerung der HPV-Impfquoten in Deutschland

Zusammenfassung Auch mehr als 15 Jahre nach der ersten Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) gegen humane Papillomviren (HPV) sind die Impfquoten in Deutschland weiterhin niedrig. Als mögliche Maßnahme zur Steigerung der HPV-Impfquote in Deutschland wird häufig die flächendeckende Einführung von HPV-Schulimpfprogrammen gefordert, wie sie in anderen europäischen Ländern bestehen. Jedoch sollte jeder Implementation einer flächendeckenden Gesundheitsintervention eine Evidenzbewertung vorausgehen, die auch nationale Gegebenheiten berücksichtigt. In diesem Artikel wird ein Überblick über die bisher vorliegende Evidenz zum Effekt von Schulimpfprogrammen in Deutschland gegeben, die Ergebnisse werden eingeordnet. Entsprechende Evidenz ist bisher begrenzt und stammt aus 3 lokalen (Pilot‑)Programmen. Sie zeigt, dass etwa ein Drittel der Ungeimpften das Schulimpfangebot wahrnahm, zwei Drittel nahmen es nicht an. In keinem Programm in Deutschland wurden bislang Daten zu den Gründen für die Nichtannahme des Impfangebots erhoben, bzw. ob sich eine möglicherweise bestehende Skepsis auf den Impfort Schule oder die Impfung selbst bezieht. Darüber hinaus fehlen Aufwand- bzw. Kosten-Nutzen-Analysen von Schulimpfprogrammen, die für die Bewertung solcher in Deutschland neu zu etablierenden Strukturen wichtig wären. Auf Basis der bislang vorliegenden Evidenz erscheint es eher unwahrscheinlich, dass die Einführung eines flächendeckenden Schulimpfangebots die HPV-Impfquoten in Deutschland in relevantem Maße steigern kann. Schulimpfprogramme könnten ggf. aber – ergänzend zu anderen Maßnahmen – für spezifische Zielgruppen bzw. in bestimmten umschriebenen Regionen Teil eines strukturierten Impfsystems sein, welches – im Gegensatz zum bestehenden Impfsystem – in Deutschland sicherstellen könnte, dass allen in der Zielgruppe aktiv ein HPV-Impfangebot gemacht wird.

Die informierte Entscheidung als Ziel von evidenzbasierten Gesundheitsinformationen: Das Beispiel Krebsfrüherkennung

ZusammenfassungUm Menschen eine informierte Entscheidung über die Teilnahme an Krebsfrüherkennungsuntersuchungen zu ermöglichen, müssen neben den Vorteilen auch Nachteile wie medizinische Risiken kommuniziert werden. Die in solchen Entscheidungshilfen enthaltenen Informationen sollten evidenzbasiert, neutral, ausgewogen und verständlich sowie in ihrem Umfang angemessen sein. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wurde in den Jahren 2014 und 2015 vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beauftragt, Entscheidungshilfen in Form von Broschüren zur Teilnahme am Mammografie‑, Darmkrebs- und Zervixkarzinomscreening zu erstellen, die inzwischen im Einsatz sind.In diesem Beitrag wird die Entwicklung der Entscheidungshilfen beschrieben, wobei der Fokus auf deren Inhalten und den Ergebnissen der extern durchgeführten Nutzertestungen liegt. Letztere ergaben, dass 10–20 % der Testerinnen und Tester nach dem Lesen ihre Einstellung zur Teilnahme an der Früherkennungsuntersuchung innerhalb der 3 Kategorien „teilnahmebereit“, „unentschlossen“ und „nicht teilnahmebereit“ geändert haben. Das weist darauf hin, dass eine informierte Entscheidung durch die Materialien unterstützt wird. Die Nutzertestungen trugen dazu bei, die Entscheidungshilfen noch besser an die Informationsbedürfnisse der angesprochenen Gruppen anzupassen.

Publisher

Springer Science and Business Media LLC

ISSN

1436-9990