Erhebliche prognostische Verbesserungen für Früh- und Spätstadien der Endometrium-Karzinome zeichnen sich durch neue diagnostische und therapeutische Entwicklungen ab. So hat die Molekularpathologie sowohl die Klassifikation als auch die adjuvante und palliative Therapie dieser Tumoren revolutioniert. Neuerdings werden 4 Hauptgruppen unterschieden: POLE-mutierte Tumoren machen etwa 7% aller Karzinome aus und werden als „ultramutiert“ klassifiziert. Sie weisen eine exzellente Prognose auf. Mismatch-Repair-defiziente Tumoren (MMRd) sind mit etwa 25% häufig und gelten als „hypermutiert“. Sie sind ausgesprochen empfindlich gegen Immun-Checkpoint-Inhibitoren. Die größte Gruppe, Tumoren ohne spezifische molekulare Signatur (No specific molecular Profile, NSMP), sind prognostisch etwa den MMRd-Tumoren vergleichbar. Schließlich werden TP53-mutierte Endometrium-Karzinome unterschieden, die eine ungünstige Prognose aufweisen.
Diese molekularpathologischen Grundlagen wurden kürzlich in die neue FIGO-Klassifikation von 2023 integriert. Dadurch verändert sich die adjuvante Therapie-Indikation erheblich: Während ohne Molekularpathologie früher 60% der POLE-mutierten Tumoren adjuvant radio/(chemo)therapiert wurden, bleiben sie heutzutage aufgrund ihrer exzellenten Prognose therapiefrei. FIGO 2023 erkennt u.a. auch neue günstige Subgruppen wie das synchrone Endometrium- und Ovarial-Karzinom an.
Niedrigrisiko-Patientinnen benötigen keine adjuvante Therapie. Intermediärstadien (z.B. Stadium IIB) profitieren von adjuvanter Radiotherapie. Molekulare Marker entscheiden über den zusätzlichen Therapiebedarf: POLE-mutierte Tumoren werden therapiefrei belassen, G3-endometrioide Tumoren ohne TP53-Mutation erhalten meist nur eine adjuvante Strahlentherapie, während TP53-mutierte Tumoren intensiv radiochemotherapiert werden. Hochrisiko-Patientinnen (ab Stadium IIC) erhalten üblicherweise eine Kombination aus Radiochemotherapie, gefolgt von Chemotherapie, oder eine alleinige Chemotherapie.
In der Therapie der fortgeschrittenen und metastasierten Stadien haben sowohl die Immun-Checkpoint-Inhibitoren als auch der PARP-Inhibitor Olaparib einen festen Stellenwert. Bei Patientinnen ohne Mismatch-Repair-Defizienz ist in der Erstlinien-Therapie der Immun-Checkpoint-Inhibitor Durvalumab plus Chemotherapie, gefolgt von Durvalumab und Olaparib, neu zugelassen. Bei Mismatch-Repair-defizienten Tumoren ist die vorgenannte Therapie ohne Olaparib – ebenso wie Dostarlimab und Carboplatin/Paclitaxel – als Erstlinien-Behandlung zugelassen. Aufgrund des mannigfachen immunologischen Nebenwirkungspotenzials und möglicher Interaktionen ist auch für den allgemeinmedizinisch und internistisch tätigen Hausarzt die Auseinandersetzung mit den neuen Therapieoptionen von Vorteil.